Ökologische Landwirtschaft
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Ökologische Landwirtschaft

Tierhaltung

Ich plädiere für eine artgerechte, wesensgemäße Tierhaltung.

Ökologischer Ackerbau

Ich bin davon überzeugt, dass wir nur mit der ökologischen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft alle Menschen nachhaltig ernähren können.

Naturkosmetik

Für mich gehört zur ökologischen Landwirtschaft auch die Naturkosmetik.

☣ Genmanipulation

Der große Charme der Gentechnik ist die Patentierbarkeit.

Wolfram Köhler,
gehört bei: Kontrovers, Giftmischer

Eine Pionierin für Ernährung und Qualitätsforschung

Zum 20. Todestag von Elisabeth Hälsig

Porträt von Frau Hälsig

Ist es nicht erstaunlich, welch lebende Zusammenhänge und praktische Erwägungen sich auftun, wenn bei der Zubereitung der Nahrung nicht nur die bis ins Unübersehbare gehende chemisch-physikalische Betrachtungsweise ins Auge gefasst wird, sondern auch die wachstums- und formbildenden Prozesse der Pflanze.

Diese Worte Elisabeth Hälsigs (1924-1990) umreißen bereits einen Teil ihrer Arbeit. Die Ernährung von ihrer praktischen Anwendung in der Familie, aber auch im Verständnis der naturwissenschaftlichen und anthroposophischen Hintergründe lag ihr am Herzen. So verband sie das Ausarbeiten von Rezepten und das Halten von Ernährungsvorträgen.

Im April unter dem Sternzeichen Widder (3.4.) geboren wie die Zeitgenossen Udo Renzenbrink (2.4.) und Gerhard Schmidt (4.4.) ging sie tatkräftig an die selbst gesetzten Aufgaben.

Vollwert-Kost-Rezepte

Schon früh legte sie ihre Erfahrungen in der Rezeptsammlung Vollwert-Kost nieder, die 1974 im Selbstverlag erschien. Dieses erste Heft war dem damals noch nicht so bekannten Vollkorngetreide gewidmet. Dabei hatte sie die berufstätigen Menschen im Auge, die trotz wenig Zeit ihre Familie vollwertig ernähren wollten. Dies war sehr weitblickend, denn damals wurden in der Vollwertkost noch ganze Körner eingeweicht, gekocht und nachgequollen, was viel Zeit in Anspruch nahm. Sie verwendetete und propagierte sehr das Thermogetreide (heute Kornfix), das bereits vorbehandelt war und so eine kürzere Kochzeit erforderte. Diese Schnellkochgetreide sind heute mit Bulgur und Couscous Standard, damals noch Neuland.

Elisabeth Hälsig - Rezeptesammlung Vollwertkost

1981 erschien das 2. Heft der Vollwert-Kost − für Menschen von heute unter besonderer Beachtung von Vollgetreidespeisen. Dieses Heft enthielt zahlreiche Gemüsegerichte, wofür sie im Vorwort um Verständnis warb:

Viele werden sich wundern, darin zahlreiche Gemüsegerichte zu finden. Die sinnvolle Ergänzung zu Getreidespeisen ist nun einmal das Gemüse, dessen Zubereitung − vergessen infolge des Lebens aus dem Tiefkühlfach und der Konservendose − erst von vielen wieder erübt werden muss.

Auch hier ging sie der Vollwertbewegung voran, denn die Bedeutung des Gemüses wurde erst mit der Entdeckung der sekundären Pflanzenstoffe in den neunziger Jahren richtig erkannt. Beim Gemüse ging es ihr um dreierlei:

  1. um die Verwendung frischer Gemüse und keinesfalls Tiefkühlkost,
  2. um die Demeter-Qualität und
  3. um Bekanntmachen vergessener oder neuer Gemüse.

Logo des Biodynamischen Anbauverbandes

Den biologisch-dynamischen Anbau unterstützte sie in vieler Hinsicht durch eigenen Einkauf, aber auch Verbraucheraufklärung und Förderung durch Spenden. In ihrem 2. Heft findet man bei den Gemüsen dann die damals fast unbekannte Pastinake, ferner Rote Bete, aber auch Broccoli mit dem Hinweis eine Blumenkohlart – vor 30 Jahren war Broccoli tatsächlich in Deutschland kaum verbreitet. Elisabeth Hälsig empfahl auch Spaghetti-Kürbis, den es noch nicht zu kaufen gibt, aber Gartenbesitzer können ihn anbauen.

Die Steigbildmethode

Als im November 1986 das 3. Heft ihrer Vollwert-Kost erschien, hatt Elisabeth Hälsig sich ein weiteres Gebiet erarbeitet: die Steigbildmethode. Es war ihr ein Anliegen, die besondere Qualität, die nicht in den Inhaltsstoffen sichtbar wird, eben jene Wachstums- und Formkräfte zu untersuchen und darzustellen. Angeregt durch die Kristallisationsbilder Gerhard Schmidts und Steigbilder im Buch Ernährungslehre von Rudolf Hauschka sowie den Laborarbeiten im Arbeitskreis für Ernährungsforschung in Unterlengenhardt wie auch der WALA Heilmittelbetriebe in Eckwälden untersuchte sie Lebensmittel wie Gemüse, aber auch Speisen, Zubereitungsverfahren oder Konservierungsmethoden. So fertigte sie von einem Getreidebrei ein Steigbild an und untersuchte dann denselben Brei versetzt mit etwas Fermentgetreide von der Firma Kanne.

Immer wieder rang sie um die Reproduzierbarkeit und Interpretation der Bilder. Eine Auswahl ihrer Arbeit − 10 Steigbildserien zu Gemüse und Obst, Roggenschrot und Thermomehl, Vergleich von Einwecken und Tiefkühlen, Säuren und Süßungsmittel − finden sich in dem 3. Heft. Dort schreibt sie, dass sie bereits an die 3000 Steigbilder angefertigt habe. Zu dieser Zeit nahm sie auch an einem Kreis zur Steigbildmethode am Goetheanum teil, in dem Grundlegendes zur Probenaufbereitung, Vergleichbarkeit und Wiederholbarkeit erarbeitet wurde.

Nicht immer stieß ihre Arbeit dort auf Verständnis, war doch der Ansatz die Methode so küchenpraktisch einzusetzen ungewöhnlich. Die Ergebnisse dieses Arbeitskreises wurden in einer Sondernummer der Zeitschrift Elemente der Naturwissenschaft veröffentlicht. Für sie war die Darstellung der Qualität in verständlicher und möglichst bildhafter Weise von entscheidender Bedeutung. So erstellte sie Bilder wie die Pflanze zwischen Sonne und Erde, das auch in Heft 3 und hier auf S. abgedruckt ist. Ihr Mann fertigte viele Dias von den Steigbildern an, die sie auf ihren Vorträgen vorführte oder farbig abdruckte. Gegenüber unseren heutigen Möglichkeiten des Einscannens war dies alles noch mit ziemlichem Aufwand verbunden. Im 3. Heft finden sich dann sowohl Rezepte und auch Steigbilder zum Beispiel zu Pastinaken. So kann man sich beides gemeinsam vorstellen.

Diese Kombination von Forschung und Lebenspraxis war ihr wichtig, denn dadurch konnten auch Verbraucher mehr über die Qualität erfahren. In dem Heft gibt es außer den Steigbildfotos und Rezepten verschiedene praktische Hinweise z.B. zur Gestaltung des Brotbelags oder zur Lagerung von Getreide und Gemüse.

Ernährungsforschung

Elisabeth Hälsig war eng mit dem Arbeitskreis für Ernährungsforschung verbunden. Sie kam häufig zu den Mitgliederversammlungen und nahm regelmäßig an dem Seminar zur Methodik der Ernährungsforschung teil, das Gerhard Schmidt anbot. Mit ihm arbeitete sie auch in Kursen zusammen. Im Ernährungsrundbrief veröffentlichte sie verschiedene Artikel z.B. zu der damals sehr aktuellen Thematik roh oder gekocht. Es war die Zeit, wo M.O. Bruker den Frischkornbrei propagierte und gekochte Kost vielfach als denaturiert angesehen wurde. Von anthroposophischer Seite stand dagegen die Bedeutung der Wärme als Reifungsprozess und gegarte Speisen als Nachreifung der Naturprodukte. Die anthroposophische Arbeit wurde immer wichtiger für sie. So schrieb sie Die anthroposophische Ernährungskunde ist wie die Anthroposophie Rudolf Steiners eine geistige Antwort auf die rationale technische Denkweise der Neuzeit. Es wird versucht, den Menschen als seelisch-geistiges Wesen in seinem Zusammenhang mit der Welt und dem Kosmos zu begreifen.

Literatur:

  • Elisabeth Hälsig: Vollwert-Kost − für Menschen von heute unter besonderer Beachtung von Vollgetreidespeisen, Heft 1, Seite 23, Wiesbaden 1974
  • Elisabeth Hälsig: Vollwert-Kost − für Menschen von heute unter besonderer Beachtung von Vollgetreidespeisen, Heft 2. Seite 20, Wiesbaden 1981
  • Elisabeth Hälsig: Vollwert-Kost − und ihre lebendige Qualität durch Steigbilder sichtbar gemacht, Heft 3, Seite 87, Wiesbaden 1986
  • Elisabeth Hälsig: Steigbildvergleich: rohes Gemüse, gegartes Gemüse, rohe Früchte. In Elemente der Naturwissenschaft, Sondernummer 46 zur Steigbildmethode, Heft 1, Seite 101-108, 1987
  • Udo Renzenbrink: Im Gedenken an Elisabeth Hälsig, Ernährungsrundbrief 75/1990, Seite 45

Veröffentlicht von der Fördergemeinschaft für Biologisch-Dynamische Landwirtschaft e. V.. Auf Nachfrage wurde es mir gestattet die Texte hier auf meiner Webseite nochmals zu veröffentlichen. biodynamisch.wordpress.com
Dieser Artikel wurde unter keiner Lizenz veröffentlicht. Damit gilt das Deutsche Urheberrecht.

Elisabeth war meine Oma. Dies ist der Grund für die (wiederholte) Veröffentlichung hier.

Elisabeth Hälsig

eine engagierte Demeter-Verfechterin

Zeichnung des Kreislaufs einer Pflanzr

In ihren letzten 10 Lebensjahren kristallisierte sich für Elisabeth Hälsig ein weiteres zentrales Thema ihrer Arbeit heraus. Viele Kochkurse, die sie zunächst im Rahmen des Wiesbadener Prießnitz-Kneipp Vereines durchführte, ihre intensive Beschäftigung mit Fragen der Ernährung weckten in ihr die überzeugung, dass der biologisch-dynamische Anbau die höchste Qualität unserer Lebensmittel hervorbringt. Damals allerdings, in den 70er Jahren, gab es noch wenige Demeter Betriebe, vor allem gab es kaum Berater, die den Bauern in der Umstellungsphase zu Seite standen. Eine öffentliche Förderung des ökologischen Landbaus wurde erst später eingerichtet.

Angeregt durch Schriften Rudolf Steiners über die Idee der Dreigliederung gewann ein übergreifendes Miteinander von Verbrauchern, Produzenten und Händlern immer mehr an Bedeutung für sie. Eine Arbeitsgruppe mit diesen Themen passte jedoch nicht unter das Dach des Kneipp-Bundes.

So verband sich die kleine Ernährungsgruppe von Verbrauchern im März 1981 mit der bundesweit wirkenden Fördergemeinschaft für Umweltpflege durch biologisch-dynamischen Landbau mit Sitz in Tübingen. Ihr Ziel war es vor allem, Gelder zu sammeln zur Unterstützung der Umstellungsberatung. Ein regionaler Förderkreis Wiesbaden wurde gegründet.

In diesem Kreis entwickelte Elisabeth Hälsig zahlreiche Initiativen. Mehrere öffentliche Wochenend−Tagungen konnten durchgeführt werden, im April 1982 zum Thema Die Qualität unserer Nahrung − eine Bewußtseinsfrage. Später, in den Jahren von 1988 bis 1990 luden wir unter dem Motto Ernährung und Landbau namhafte Referenten nach Wiesbaden ein: Dr. Udo Renzenbrink, Arbeitskreis für Ernährungsforschung, Dr. Werner Kopp, Forschungsabteilung an der Filderklinik, Dr. Erich Breda, Institut für Biologisch-Dynamische Forschung, Dr. Fritz Balzer, Labor für Bodenuntersuchung und auch Dr. Petra Kühne, AKE.

Zum Abschluss dieser Tagungen fanden jeweils Rundgespräche statt, in denen sich Verbraucher, Händler und Anbauer austauschen konnten. Kann der heutige Verbraucher mehr sein als nur anonymer Konsument? Wie weit geht die Verantwortung des Verbrauchers gegenüber Mensch und Erde? − Themen, die uns auch heute bewegen. Diese Gespräche ermöglichten gegenseitige Wahrnehmung, so konnte sich Verständnis für den anderen Marktpartner bilden, Vertrauen entstehen.

Weitere Rundgespräche wurden im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft für Demeter Verbraucherfragen durchgeführt. An deren bundesweiten Treffen nahm Elisabeth Hälsig regelmäßig teil. 1983 richtete die Fördergemeinschaft in Wiesbaden deren Jahrestagung aus. Zu Gast waren Verbrauchervertreter aus Hamburg, München, Kassel, Hannover, Marburg, Stuttgart, Würzburg und Tübingen. Dabei konnte Elisabeth Hälsig erstmalig in einem Diavortrag ihre Steigbildarbeit vorstellen. 1986 wurde sie als Verbrauchervertreterin in den Vorstand des Demeter-Bundes berufen.

Vielfältige regionale Aktivitäten bildeten die Grundlage für diesen überregionalen Einsatz. Schon von Beginn an nahm die Verbrauchergruppe des Ernährungskreises zusammen mit Interessierten an der Präparateherstellung in Darmstadt am Institut für Biologisch-Dynamische Forschung teil. Dies wird bis heute weitergeführt. Hofbegehungen, Unterstützung bei Hoffesten, Informationsstände fanden statt.

Einen Höhepunkt stellte sicher die Reise nach Sizilien dar, die im April 1985 von Elisabeth und Günther Hälsig organisiert wurde. Eine Gruppe von Interessierten Verbrauchern besuchte die dortigen Demeter Anbauer, die Verbindung mit der Cooperative Salamita blieb für Jahre lebendig. Elisabeth Hälsig schrieb darüber die Broschüre Sizilien – Land der Göttin Demeter um diese internationale Verbraucherarbeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Aber auch eine regelmäßige Arbeit an grundlegenden Ernährungsthemen wurde in monatlichen Treffen im privaten Kreis durchgeführt. Hier erarbeitete man Themen aus der Dynamischen Ernährungslehre von Gerhard Schmidt und aus dem Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner. Dabei war Elisabeth Hälsig stets die organisierende Kraft. Ihre Energie und ihr konsequentes Eintreten für den biologisch-dynamischen Landbau war uns Vorbild und Ansporn.

Ihr Tätigkeitsbericht des Förderkreises Wiesbaden von 1981 − 1986 schließt mit den Worten:

Wir hoffen, dass unsere Arbeit immer mehr Menschen als in die Zukunft führend erkennen und sich mit uns verbinden können. Nicht der Einzelne kann die Zukunft gestalten, sondern nur eine Gemeinschaft von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel. In unserem Falle die Förderung einer gesunden, dem Menschen gemäßen Nahrung durch einen umweltpflegenden Landbau.

Dies ist auch heute noch für uns gültig. Die Fördergemeinschaft für Umweltpflege in Wiesbaden hat inzwischen bundesweit die Betreuung der Mitglieder übernommen und setzt die Arbeit im Sinne Elisabeth Hälsigs fort.

Veröffentlicht von der Fördergemeinschaft für Biologisch-Dynamische Landwirtschaft e. V.. Auf Nachfrage wurde es mir gestattet die Texte hier auf meiner Webseite nochmals zu veröffentlichen. biodynamisch.wordpress.com
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Elisabeth war meine Oma. Dies ist der Grund für die (wiederholte) Veröffentlichung hier.