Weitwind
Die Freiheit "nein!" zu sagen.

Eine engagierte Demeter-Verfechterin

Veröffentlicht am 17. April 2019

Elisabeth Hälsig ist meine Oma. Deshalb möchte ich hier diesen Beitrag über Ihr Leben Veröffentlichen.
Beitragsbild für Eine engagierte Demeter-Verfechterin

In ihren letzten 10 Lebensjahren kristallisierte sich für Elisabeth Hälsig ein weiteres zentrales Thema ihrer Arbeit heraus. Viele Kochkurse, die sie zunächst im Rahmen des Wiesbadener Prießnitz-Kneipp Vereines durchführte, ihre intensive Beschäftigung mit Fragen der Ernährung weckten in ihr die überzeugung, dass der biologisch-dynamische Anbau die höchste Qualität unserer Lebensmittel hervorbringt.

Damals allerdings, in den 70er Jahren, gab es noch wenige Demeter Betriebe, vor allem gab es kaum Berater, die den Bauern in der Umstellungsphase zu Seite standen. Eine öffentliche Förderung des ökologischen Landbaus wurde erst später eingerichtet.

Angeregt durch Schriften Rudolf Steiners über die Idee der Dreigliederung gewann ein übergreifendes Miteinander von Verbrauchern, Produzenten und Händlern immer mehr an Bedeutung für sie. Eine Arbeitsgruppe mit diesen Themen passte jedoch nicht unter das Dach des Kneipp-Bundes.

So verband sich die kleine Ernährungsgruppe von Verbrauchern im März 1981 mit der bundesweit wirkenden Fördergemeinschaft für Umweltpflege durch biologisch-dynamischen Landbau mit Sitz in Tübingen. Ihr Ziel war es vor allem, Gelder zu sammeln zur Unterstützung der Umstellungsberatung. Ein regionaler Förderkreis Wiesbaden wurde gegründet.

In diesem Kreis entwickelte Elisabeth Hälsig zahlreiche Initiativen. Mehrere öffentliche Tagungen am Wochenende konnten durchgeführt werden, im April 1982 zum Thema Die Qualität unserer Nahrung − eine Bewußtseinsfrage. Später, in den Jahren von 1988 bis 1990 luden wir unter dem Motto Ernährung und Landbau namhafte Referenten nach Wiesbaden ein: Dr. Udo Renzenbrink, Arbeitskreis für Ernährungsforschung, Dr. Werner Kopp, Forschungsabteilung an der Filderklinik, Dr. Erich Breda, Institut für Biologisch-Dynamische Forschung, Dr. Fritz Balzer, Labor für Bodenuntersuchung und auch Dr. Petra Kühne, AKE.

Zum Abschluss dieser Tagungen fanden jeweils Rundgespräche statt, in denen sich Verbraucher, Händler und Anbauer austauschen konnten. Kann der heutige Verbraucher mehr sein als nur anonymer Konsument? Wie weit geht die Verantwortung des Verbrauchers gegenüber Mensch und Erde? − Themen, die uns auch heute bewegen. Diese Gespräche ermöglichten gegenseitige Wahrnehmung, so konnte sich Verständnis für den anderen Marktpartner bilden, Vertrauen entstehen.

Weitere Rundgespräche wurden im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft für Demeter Verbraucherfragen durchgeführt. An deren bundesweiten Treffen nahm Elisabeth Hälsig regelmäßig teil. 1983 richtete die Fördergemeinschaft in Wiesbaden deren Jahrestagung aus. Zu Gast waren Verbrauchervertreter aus Hamburg, München, Kassel, Hannover, Marburg, Stuttgart, Würzburg und Tübingen. Dabei konnte Elisabeth Hälsig erstmalig in einem Diavortrag ihre Steigbildarbeit vorstellen. 1986 wurde sie als Verbrauchervertreterin in den Vorstand des Demeter-Bundes berufen.

Vielfältige regionale Aktivitäten bildeten die Grundlage für diesen überregionalen Einsatz. Schon von Beginn an nahm die Verbrauchergruppe des Ernährungskreises zusammen mit Interessierten an der Präparateherstellung in Darmstadt am Institut für Biologisch-Dynamische Forschung teil. Dies wird bis heute weitergeführt. Hofbegehungen, Unterstützung bei Hoffesten, Informationsstände fanden statt.

Einen Höhepunkt stellte sicher die Reise nach Sizilien dar, die im April 1985 von Elisabeth und Günther Hälsig organisiert wurde. Eine Gruppe von Interessierten Verbrauchern besuchte die dortigen Demeter Anbauer, die Verbindung mit der Cooperative Salamita blieb für Jahre lebendig. Elisabeth Hälsig schrieb darüber die Broschüre Sizilien – Land der Göttin Demeter um diese internationale Verbraucherarbeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Aber auch eine regelmäßige Arbeit an grundlegenden Ernährungsthemen wurde in monatlichen Treffen im privaten Kreis durchgeführt. Hier erarbeitete man Themen aus der Dynamischen Ernährungslehre von Gerhard Schmidt und aus dem Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner. Dabei war Elisabeth Hälsig stets die organisierende Kraft. Ihre Energie und ihr konsequentes Eintreten für den biologisch-dynamischen Landbau war uns Vorbild und Ansporn.

Ihr Tätigkeitsbericht des Förderkreises Wiesbaden von 1981 − 1986 schließt mit den Worten:

Wir hoffen, dass unsere Arbeit immer mehr Menschen als in die Zukunft führend erkennen und sich mit uns verbinden können. Nicht der Einzelne kann die Zukunft gestalten, sondern nur eine Gemeinschaft von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel. In unserem Falle die Förderung einer gesunden, dem Menschen gemäßen Nahrung durch einen umweltpflegenden Landbau.

Dies ist auch heute noch für uns gültig. Die Fördergemeinschaft für Umweltpflege in Wiesbaden hat inzwischen bundesweit die Betreuung der Mitglieder übernommen und setzt die Arbeit im Sinne Elisabeth Hälsigs fort.

Veröffentlicht von der Fördergemeinschaft für Biologisch-Dynamische Landwirtschaft e. V.. Auf Nachfrage wurde es mir gestattet die Texte hier auf meiner Webseite nochmals zu veröffentlichen. biodynamisch.wordpress.com

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